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Einleitung:

"There is widespread agreement today that the nineties are a critical decade. The survival of humanity and of the planet are atstake.....And yet, there are solutions, some of them even simple. But they all require a radical shift in our thinking, our perceptions, our values, our lifestyles. In order to reach such a turning point, at a time when it is almost too late, we need a massive campaign of education".
Fritjof Capra

Das Fernsehen nimmt als vermittelnde Instanz eine exponierte Stellung in unserer Gesellschaft ein. Aber auch die Möglichkeiten, sich Informationen selbst zu beschaffen, werden seit dem Entstehen des Internets immer größer; es ist leichter geworden, sich eigenständig Wissen anzueignen, sich eigene Quellen zu suchen - und an der Darstellung anderer berechtigte Zweifel zu hegen. Parallel dazu verliert der religiöse Glaube, als dem Menschen sinngebende Erzählung, an einigender Bedeutung - dadurch aber fehlt auch eine allgemeine Werte vermittelnde Instanz. Auch die Erziehung und mit ihr zum Beispiel das Märchen, kann als eine solche Instanz gesehen werden, denn sie vermag Kindern grundlegende menschliche Verhaltensweisen zu lehren.
Nicht nur die neuen Medien mit anarchistischen Potential - das Internet, der Cyberspace - erfordern einen Wandel unseres Denkens, auch der wissenschaftliche Fortschritt und die ökonomischen, sozialen und politischen Probleme der Menschheit verlangen eine Veränderung der kollektiven Sichtweise. Wissenschaft und Religion sind die beiden Instanzen, welche die kosmologischen Fragen formulieren, die diese Welt auf dem Weg in ein zukünftiges überlebenssicherndes planetarisches Zeitalter stellen muß.
Die neuen Medien böten das ideale Mittel, um eine notwendige massive campaign of education zu starten – aber wie wenig werden ihre Möglichkeiten genutzt?! Es wird versäumt, beispielsweise das Interesse an wissenschaftlichen Themen zu wecken. In Film und Fernsehen Wissen zu vermitteln, liegt vielleicht sogar nicht im Interesse der wo auch immer befindlichen herrschenden Machthaber.
Dennoch sind die Fragen nach unserer Stellung im Kosmos, nach fremden Lebensformen, nach der Zukunft der Menschheit, nach dem Fortschritt der Technik, Voraussetzungen für eine Veränderung des kollektiven Bewußtseins, und ihr Aufkommen wird ein wahrscheinliches Ergebnis von tieferer Bildung und letztlich dem allgemein wachsenden Zugang zu ungefilterten Informationen sein.
Daß es einen Wandel geben wird, eine neue Epoche der Menschheit bevorsteht, ist unvermeidlich. Es bleibt zu fragen, wie dies geschehen wird, und ob die Medien, hauptsächlich das Fernsehen und damit verbunden das Internet, die Menschheit auf diese Veränderungen vorbereiten können und sollten. In diesem Zusammenhang ist für mich die amerikanische Fernsehserie „Star Trek: Deep Space Nine“ interessant, weil sie als Unterhaltungsprodukt der Massenkultur eine solche gewandelte Sichtweise transportiert.
In der Fernsehserie Deep Space Nine werden Inhalte vermittelt, die eine Brücke schlagen zwischen den Wissenschaften, der Notwendigkeit zu lernen und zu forschen, und dem Wunsch der Menschen an etwas zu glauben – an etwas das ihnen das Gefühl gibt, die Existenz hätte auch auf längere Sicht einen tieferen, kosmologischen Sinn.



Auszug aus dem Kapitel: 9.14.1 "Die Heilung durch Wissen":

Die Founder sind ein zwar mächtiges, aber moralisch nach humanen Gesichtspunkten ungebildetes Volk. Dazu werden sie als evolutionär höher angesiedelte Wesen dargestellt, welche die feste Körperform hinter sich gelassen haben – die Solids sind für die Founder „small, insignificant.“[1] Die Ignoranz und Intoleranz des Dominion ist gewaltig, in ihrer großen Macht verfolgen sie die Strategie, ihr Überleben dadurch zu sichern, daß sie alle potentiellen Gefahren um sich herum ausschalten. Alle, die anders sind als sie, stellen solch eine Gefahr dar. Die Eigenschaft der Founder wird dadurch erklärt, daß man sie in grauen Vorzeiten verfolgt und getötet hätte, weil sie anders waren. Daraus entstand ein Bewußtsein voller Angst, Mißtrauen und Haß.

Wie durchbricht man also solch eine Mauer des Mißtrauens? Wie zum Beispiel will man Staaten überzeugen, zur Demokratie zu wechseln, sich einem friedlichen Staatenbund anzuschließen, wenn diese bereits einschneidende, schlechte Erfahrung mit diesen Systemen gemacht haben? Thomas Assheuer fragt in „Der Zeit“: „Die Demokratie ist vielleicht das Beste, was der Welt passieren kann – doch warum ist sie es, die ihre Gegner in Scharen gegen sich aufbringt?“[2] Erst wer diese Dialektik der Modernisierung entschlüssele, sei einen Schritt weiter. Dann werde deutlich, „daß die „Lücken“ der Weltgesellschaft, die nach dem „Babysitter“ schreien, keine archaischen Flecken sind. Die „Lücke“ hat ihre Erfahrung mit dem „Kern“ bereits hinter sich, mit Doppelmoral und zweierlei Maß, mit Korruption und Unterdrückung, mit Elend und moralischem Verfall.“[3]

An dieser Stelle hat die Serie symbolisch wieder einen deutlichen Bezug zur Gegenwart – aber mit überraschender Rollenverteilung. Und die ergibt sich aus der Art und Weise, wie Ordnung und Sicherheit hergestellt werden sollen: nämlich, wenn es nicht anders geht, mit Gewalt und wie in diesem Fall, mit einem großen Krieg. Eine solche Art der unterschwelligen Bevormundung, wie sie die Amerikaner praktisch seit dem Ende des 2. Weltkrieges verfolgen, hat über den langen Zeitraum zu einem großen Mißtrauen ihnen gegenüber geführt. Das Dominion macht deutlich, daß man diese Spirale der Gewalt schlecht wieder stoppen kann, ohne seine eigene Macht zu hinterfragen und gegebenenfalls aufzugeben. Das Dominion erkennt am Ende nicht die Stärke des Gegners an, sondern begreift dessen Motive und moralische Codes schließlich als ihnen überlegen. Diese Darstellung ist ein klares Statement dafür, wie man Einheit und Frieden nur durch Demut und Toleranz, Bildung, Gleichberechtigung und Teilen erreichen kann. Man muß Macht aufgeben, um Frieden zu gewinnen. Das Ziel der Federation und der USA, eine geeinte, friedliche Welt, ist gleich, aber Star Trek führt vor Augen, wie weit sich das Land von seinen eigenen Ansprüchen, moralisch und geistig, entfernt hat. Amerika geht den Weg des Dominion, und für Star Trek steht außer Frage, daß dieser Weg scheitern muß. Dafür ist der Glaube an den Menschen zu stark.